Zufrieden mit dem Mittelmass? Der neue AllBright Bericht zu den Unternehmen in der Schweiz
Zufrieden mit dem Mittelmass? Die Schweizer Unternehmen kommen beim Frauenanteil in Führung nicht voran
Eine direkte Demokratie mit starker Wirtschaft und Infrastruktur, international und innovativ: Die Schweiz gilt als Land, in dem manches besser funktioniert als in vielen anderen Ländern. Beim Thema Chancengleichheit für Frauen sieht es allerdings anders aus. Dort erreicht sie im europäischen Vergleich allenfalls Mittelmass und die Schweizer Wirtschaft lässt eine wertvolle Ressource bislang weitgehend ungenutzt: die hervorragend ausgebildeten Schweizer Frauen.
Die Schweizer Unternehmen kommen bei der Steigerung des Frauenanteils in den Geschäftsleitungen nicht voran, die Entwicklung bei den 100 wertvollsten Börsenunternehmen stagniert und liegt am 1. Juli 2026 bei nur 22,4 Prozent. In den Verwaltungsräten liegt der Frauenanteil bei 36,4 Prozent. Mit der aktuellen Dynamik (nur 25 Prozent der Neurekrutierungen für die Geschäftsleitungen sind Frauen) ist keine nennenswerte Steigerung des Frauenanteils möglich.
Unter den Frauen in den Geschäftsleitungen sind auffallend wenige Schweizerinnen: 70 Prozent der Frauen in den Geschäftsleitungen kommen aus dem Ausland – vor allem aus den USA, Grossbritannien, Frankreich und Deutschland. Zugleich sind in der Schweiz so viele Frauen berufstätig wie in kaum einem anderen Land, allerdings überwiegend in Teilzeit.
Am höchsten ist der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der grösseren Konzerne. Vergleicht man jedoch die 20 SMI-Konzerne mit den 20 wertvollsten Unternehmen im jeweiligen nationalen Leitindex von Deutschland Frankreich, Grossbritannien, Italien und Österreich, landet die Schweiz mit 27,1 Prozent nur auf einem mittleren Platz weit hinter Spitzenreiter Grossbritannien (35,1 Prozent). Mit Geberit und Swiss Life gibt es noch immer zwei SMI-Konzerne ohne eine einzige Frau in der Geschäftsleitung.
„Die Schweizer Unternehmen haben grosses Potenzial, beim Frauenanteil im Top-Management eine Spitzenposition einzunehmen und dabei auch einen deutlich höheren Anteil an Schweizer Managerinnen zu berücksichtigen“, kommentieren die Geschäftsführenden der AllBright Stiftung Wiebke Ankersen und Christian Berg. „Die erfolgreicheren Länder zeigen, dass es dafür alle Akteure braucht: Unternehmen, Politik, Männer und Frauen. Wichtig ist ein klares Signal der Unternehmen, dass Veränderung und Weiterentwicklung gewünscht sind, aber auch mehr Flexibilität bei den Karrierewegen und gut sichtbare weibliche Besetzungen. Es braucht eine Steuergesetzgebung, bei der sich Vollzeitarbeit beider Partner lohnt und eine flächendeckende, bezahlbare Ganztagsbetreuung für Kleinkinder und Schulkinder. Und wenn Männer einen grösseren Anteil an der Familienarbeit übernehmen, schafft das mehr Raum für Frauen, sich im Job zu engagieren.“