Der neue AllBright Frühjahrsbericht: Modernisierung? Später!
Modernisierung? Später! Familienunternehmen bleiben bei männlicher Führung
In den deutschen Familienunternehmen ist die Generation der Babyboomer dabei, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen – eine Chance für die Modernisierung, denn den Geschäftsführungen mangelt es insbesondere an Frauen und internationaler Perspektive. Doch trotz vieler Personalwechsel geht es mit der Vielfalt nicht voran: Die Unternehmen rekrutieren weiter nach einer sehr traditionellen Schablone und haben Probleme, die wenigen Frauen an der Spitze auch zu halten. Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen liegt bei 13 Prozent, er hat sich in den vergangenen zwei Jahren so gut wie nicht bewegt.
In den Geschäftsführungen der 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen arbeiten am 1. März 2026 nur 13 Prozent Frauen. Das ist im Zweijahreszeitraum ein kaum nennenswerter Zuwachs von 0,4 Prozent: Es wurden wieder verstärkt Männer rekrutiert, seit März 2024 waren nur noch 17 Prozent der Neurekrutierungen für die Geschäftsführungen der Familienunternehmen weiblich.
Je privater das Unternehmen, desto männlicher die Führung
Je höher die Transparenz des Unternehmens und der Einfluss familienfremder Akteure, desto höher ist der Frauenanteil in der Geschäftsführung. 20 der 100 größten deutschen Familienunternehmen sind auch an der Frankfurter Börse notiert und die Familie hält einen signifikanten Anteil der Aktien (z. B. BMW, Continental, Henkel, Merck). Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen dieser Unternehmen entspricht mit 19,8 Prozent in etwa dem Durchschnitt aller Börsenunternehmen und ist deutlich höher als bei den nicht-börsennotierten Familienunternehmen, wo er bei 11,1 Prozent liegt.
Familienunternehmen haben Probleme, Frauen in den Geschäftsführungen zu halten
Darüber hinaus scheint ein Problem im Arbeitsumfeld der Frauen zu liegen: sie haben im Zweijahreszeitraum in den Familienunternehmen häufiger die Geschäftsführungen verlassen (32 Prozent der weiblichen Geschäftsführungsmitglieder) als Männer (24 Prozent der männlichen Geschäftsführungsmitglieder). In den börsennotierten Unternehmen arbeiten die Frauen deutlich stabiler in ihren Positionen als die Männer: 23 Prozent der weiblichen und 38 Prozent der männlichen Vorstandsmitglieder haben seit März 2024 ihr Mandat abgegeben.
„Wir beobachten gerade eine Vollbremsung bei der Erhöhung des Frauenanteils in den Geschäfts-führungen der deutschen Unternehmen insgesamt“, kommentieren die Geschäftsführenden der AllBright Stiftung Wiebke Ankersen und Christian Berg. „Für die Familienunternehmen ist das ein besonders großes Problem, denn sie stoppen die Entwicklung, bevor sie richtig gestartet ist. Der Modernisierungsstau in der deutschen Wirtschaft zeigt sich bei der Digitalisierung, bei den Geschäftsmodellen und bei der Zusammenstellung der Führungsteams gleichermaßen. Wir können diese unterschiedlichen Bereiche aber nicht gegeneinander ausspielen, es ist kein Entweder-oder. Sie hängen alle miteinander zusammen und wir können nichts davon vernachlässigen, wenn die deutsche Wirtschaft wieder erfolgreich sein will. Die Unternehmen müssen jetzt in die besten Köpfe und das Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven in der Führung investieren.“